Redebeitrag von Frau Satoko Oka Norimatsu auf dem Webinar „Tricontinental Asia“ am 11. August 2026 : Re-narrativierung der Erinnerung von Hiroshima und Nagasaki und Widerstand gegen Remilitarisierung Japans“

Japanische Version: https://peacephilosophy.blogspot.com/2026/08/re-narrativizing-memory-of-hiroshima.html
Englische Version: https://peacephilosophy.blogspot.com/2026/08/re-narrativizing-memory-of-hiroshima_0679077462.html?fbclid=IwdGRleATxBElwZG9mBWZkaWQWUMv4ghYtUwgQKRW6xcXrVRMvKz_m6mV4dG4DYWVtAjExAHNydGMGYXBwX2lkCjY2Mjg1NjgzNzkAAR63Ibi7-f0feKWF_24ct9ald9lsRRGEIFqHMsmsZ9vECdufCcUepAp4Wugkjw_aem_rPx2MBY6abkRu4AykOOcNg&m=1
*Dieser Text enthält die Teile, die ich im Webinar aus Zeitgründen ausgelassen habe.
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*Die deutsche Übersetzung und deren Veröffentlichung auf dieser Seite wurde mit freundlicher Genehmigung von Frau Norimatsu ermöglicht.
Einführung: Koexistenz von Frieden und Krieg?
Ich bin der Ansicht, dass die in Japan vorherrschenden Darstellungen zu Hiroshima und Nagasaki kaum dazu beigetragen haben, die Remilitarisierung Japans zu verhindern. Mit anderen Worten: Es ist ihnen nicht gelungen, einen nennenswerten Widerstand gegen den Kurs des Landes in Richtung Remilitarisierung zu organisieren. Der Politikwissenschaftler Kang Sang-jung warf diese Frage in seinem Aufsatz „Yasukuni und Hiroshima: Zwei heilige Stätten“ auf (veröffentlicht in: Facing Yasukuni, Mekong, 2006, S. 62)
Er wies darauf hin, dass beispielsweise ein japanischer Ministerpräsident einerseits an Gedenkfeiern für die Kriegsopfer in Hiroshima und Nagasaki teilnehmen und andererseits den Yasukuni-Schrein besuchen kann. Er fragte, warum diese beiden Handlungen von derselben Öffentlichkeit ohne jegliches Gefühl eines Widerspruchs akzeptiert werden, obwohl sie, wie man es auch dreht und wendet, unvereinbar sind.
Dieser Widerspruch spiegelt sich im Hiroshima-Friedensgedenkpark selbst wider. Neben dem Mahnmal für die Opfer der Atombombe steht eine riesige japanische Nationalflagge, die von einer rechtsgerichteten Organisation gestiftet wurde. Ein Symbol des Friedens, das an die Opfer des Atombombenabwurfs erinnert, steht somit neben einem Symbol des japanischen Nationalismus, der den Frieden während der Kaiserzeit zerstört hat. Könnte es sein, dass die Japaner der Opfer der Atombombe und der im Yasukuni-Schrein verehrten „heldenhaften Seelen“ auf ähnliche Weise gedenken?
Vor dem Hintergrund dieser Frage möchte ich die Darstellungen zu Hiroshima und Nagasaki noch einmal überdenken.
Mein Werdegang
Mein Einstieg in den Friedensaktivismus waren Hiroshima und Nagasaki. In den 1970er Jahren, als ich in den höheren Klassen der Grundschule war, besuchte ich eine Ausstellung über die Atombombenabwürfe in meinem Stadtteil in Tokio und war zutiefst erschüttert. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas gegen diese Geschichte unternehmen musste, und begann, mit Menschen in meinem Umfeld darüber zu sprechen.
In meinem zweiten und dritten Jahr an der Höheren Schule besuchte ich eine Schule an der Westküste Kanadas. Ein Freund aus Singapur erzählte mir, dass das japanische Militär bei seinem Einmarsch brutale Taten begangen habe, darunter das Töten von Säuglingen mit Bajonetten und das Hochwerfen dieser Kinder in die Luft. Auch Freunde aus den Philippinen, Indonesien und China berichteten mir von Erinnerungen an Gräueltaten des japanischen Militärs, die von der Generation ihrer Eltern und Großeltern weitergegeben worden waren.
So unreif mein Verständnis damals auch war, wurde mir klar, dass ich mich erst einmal intensiv mit der Geschichte auseinandersetzen musste, bevor ich über Hiroshima und Nagasaki sprechen konnte.
Mehr als zwanzig Jahre später: 1997 kehrte ich zum Studium nach Kanada zurück und ließ mich schließlich dort nieder.
Im Jahr 2006 nahm ich als Mitglied meines örtlichen Vereins „Artikel 9“ am Weltfriedensforum in Vancouver teil. Es waren viele Menschen aus Japan angereist, und dort dolmetschte ich zum ersten Mal für einen Hibakusha (Atombombenüberlebenden). In den folgenden fünfzehn Jahren reiste ich jedes Jahr im August mit Studierenden aus Japan und den Vereinigten Staaten nach Hiroshima und Nagasaki und fungierte dort als Dolmetscherin und Referentin auf Studienreisen, bei denen wir den Berichten von Hibakusha lauschten.
„Re-narrativierung von Hiroshima und Nagasaki“ als Konsequenz meiner Arbeit
Durch meine wiederholten Besuche in Hiroshima und Nagasaki begann ich, mich eingehender mit den Atombombenabwürfen auseinanderzusetzen, indem ich sie in den Kontext der Geschichte der japanischen Angriffskriege einordnete. Im Jahr 2024 veröffentlichte ich gemeinsam mit Kollegen des International Network of Museums for Peace (INMP), dem ich angehöre, ein englischsprachiges Buch mit dem Titel „Museums for Peace: In Search of History, Memory, and Change“.
In dem von mir verfassten Kapitel „Japanische Kriegserinnerung: Anhaltende Herausforderungen des Erinnerns und Vergessens“ habe ich die opferzentrierte Darstellung der Kriegserinnerung in Japan hinterfragt. Heute möchte ich vor allem auf die Themen eingehen, die ich in diesem Buch behandelt habe, und dabei auch neuere Entwicklungen einbeziehen.
Kürzlich habe ich mir einen neuen Film mit dem Titel „Atomic Bomb Museum“ angesehen. Unter der Regie eines Produzenten eines Fernsehsenders aus Hiroshima zeichnet der Film anhand von Interviews mit den jeweiligen Direktoren die Geschichte des Hiroshima Peace Memorial Museum nach und begleitet Menschen, die sich dafür einsetzen, die sogenannte „Realität des Atombombenabwurfs“ weiterzugeben. In diesem Film erkannte ich eine beständige japanische Art, über Hiroshima und Nagasaki zu berichten.
Ausblenden des historischen Kontexts
Erstens wird der Atombombenabwurf völlig losgelöst von der historischen Tatsache betrachtet, dass er am Ende von rund siebzig Jahren aggressiver Kriegsführung und Kolonialherrschaft durch das japanische Kaiserreich stattfand. So entsteht eine Erzählung, in der eines Tages plötzlich eine schreckliche Bombe auf unschuldige Zivilisten in Hiroshima und Nagasaki fiel. Diese Erzählung wird weiterhin in Museen, in der Literatur und im Journalismus sowie durch zahlreiche Zeugenaussagen von Hibakusha reproduziert.
Unter den Aussagen der Hibakusha, die ich übersetzt und gedolmetscht habe, finden sich Aussagen wie diese: „Mein Vater kehrte aus Malaya zurück und wurde zum Militärhauptquartier in Hiroshima versetzt. Im Gegensatz zu Tokio war Hiroshima ein friedlicher Ort.“ „Bis zum Abwurf der Atombombe am 9. August waren Sommerferien, und die Kinder verbrachten glückliche Tage damit, am Meer und in den Bergen zu spielen.“ „Ich wurde in Kure geboren. Da Kure ein Marinehafen war, kamen bei Luftangriffen mehr als zweitausend Menschen ums Leben.“
Hiroshima war ein wichtiger Stützpunkt der kaiserlichen japanischen Armee. Das 11. Infanterieregiment der in Hiroshima stationierten 5. Division verübte Massaker an ethnischen Chinesen auf der malaiischen Halbinsel. Wenn Hiroshima als „friedlich“ beschrieben wird, scheint man die Menschen in Korea, der Mandschurei und den besetzten Ländern Südostasiens nicht zu berücksichtigen, denen durch die japanische Aggression und Kolonialherrschaft lange Zeit der Frieden verwehrt war. Kure war ein wichtiger Stützpunkt der kaiserlichen japanischen Marine. Heute ist es ein Stützpunkt der japanischen Seestreitkräfte, der auch vom US-Militär genutzt wird.
Übrigens: Im Fall von Kure hat Fumiyo Kounos Manga „In This Corner of the World“ (Original: Kono Sekai no Katasumi ni), der ebenfalls verfilmt wurde, die Stadt zu einem Bild eines bemitleidenswerten Ortes verklärt, der unter Luftangriffen litt, obwohl er nichts Unrechtes getan hatte. Sowohl dieses Werk als auch „Town of Evening Calm, Country of Cherry Blossoms“, das den Atombombenabwurf auf Hiroshima schildert, konzentrieren sich auf die Opferrolle unschuldiger junger Frauen. Ich glaube, dass Kouno durch diese beiden Werke sowohl die japanische Armee als auch die Marine effektiv „kawaii-Washing“ durchführt.
Wiederherstellung des historischen Kontexts
Natürlich sprechen Menschen, die als Kinder Opfer von Bombenangriffen wurden und keine Ahnung hatten, was vor sich ging, verständlicherweise aus der Perspektive eines Kindes. Hibakusha, die ihr ganzes Leben lang mit bleibenden körperlichen und psychischen Folgen zu kämpfen hatten, sind vielleicht schon damit ausgelastet, einfach nur das zu erzählen, was sie erzählen können. Genau aus diesem Grund müssen diejenigen von uns, die keine Hibakusha sind, die Geschichte in ihrem größeren Zusammenhang kennenlernen und den fehlenden Kontext liefern. Wenn ich beispielsweise im Ausland bei Zeugenaussagen von Hibakusha mitwirke, erläutere ich zunächst die allgemeine Geschichte der Angriffskriege des japanischen Kaiserreichs und bitte dann die Hibakusha, ihre Aussagen zu machen. Auf diese Weise werden ihre Aussagen in ihren historischen Kontext eingebettet.
Angenommen, ein Überlebender der alliierten Bombardierung Dresdens in Deutschland würde im Ausland aussagen, dabei aber mit keinem Wort auf den Nationalsozialismus eingehen und ausschließlich von der Opferrolle der Deutschen sprechen. Würde dies ohne Weiteres akzeptiert werden? Wahrscheinlich nicht. Die Menschen in Japan müssen erkennen, dass das japanische Kaiserreich – genau wie Nazideutschland – ein faschistisches Reich war, das in einem riesigen geografischen Gebiet Gräueltaten begangen hat.
Das NS-Regime bestand zwölf Jahre lang. Seine auf Völkermord und Verfolgung ausgerichtete Politik forderte mehr als zehn Millionen Todesopfer, darunter etwa sechs Millionen Juden. Im Gegensatz dazu betrieb das japanische Kaiserreich rund siebzig Jahre lang Kolonialherrschaft und führte Angriffskriege; auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte und besetzte es ein Gebiet, das etwa zwanzigmal so groß war wie das heutige Japan. Durch die japanische Kolonialherrschaft und die Angriffskriege kamen im asiatisch-pazifischen Raum schätzungsweise zwanzig Millionen oder mehr Menschen ums Leben. Sowohl hinsichtlich der Dauer als auch des Ausmaßes der Tötungen übertraf das japanische Kaiserreich Nazi-Deutschland.
Japanische Politiker betonen immer wieder, dass die Menschen „in die von Atombomben betroffenen Städte kommen und sich ein Bild von der Realität der Bombenabwürfe machen sollten“. Auch bei den diesjährigen Gedenkfeiern am 6. und 9. August äußerten sich Premierministerin Takaichi und andere Politiker in diesem Sinne. Ich reise nach China, Korea, Okinawa und in südostasiatische Länder, um die „Realität“ der vom japanischen Kaiserreich begangenen Gräueltaten kennenzulernen, doch diese Realität ist so umfassend, dass ich das Gefühl habe, ich könnte ein ganzes Leben damit verbringen, sie zu erforschen, und würde dennoch nie alles darüber erfahren.
Wenn wir über Hiroshima und Nagasaki sprechen – selbst innerhalb Japans –, halte ich es für wichtig, diese Ereignisse in den größeren historischen Kontext des japanischen Krieges einzuordnen. Dies könnte in der Tat eine Rolle sein, die wir, die wir keine Hibakusha sind, besser erfüllen können als die Hibakusha selbst. In Japan hört man oft die Befürchtung, dass diese Erfahrungen allmählich in Vergessenheit geraten werden, da immer weniger Menschen übrig bleiben, die den Krieg tatsächlich erlebt haben. Die Weitergabe ihrer Erfahrungen ist wichtig. Wenn wir jedoch die Vorstellung akzeptieren, dass Frieden nur so lange aufrechterhalten werden kann, wie Menschen mit direkter Kriegserfahrung noch am Leben sind, dann könnte ihr späteres Fehlen letztendlich dazu genutzt werden, Krieg zu rechtfertigen. Japan hat eine Verfassung, die dem Krieg gerade als Mittel zur Kriegsverhütung abschwört, auch wenn niemand mehr mit direkter Kriegserfahrung übrig ist.
Nationalismus unter der Oberfläche des Narrativs
Dennoch werden tatsächlich Programme entwickelt, die Menschen darauf vorbereiten, die Rolle von Hibakusha-Zeitzeugen zu übernehmen. Die Stadt Hiroshima betreibt ein Programm zur Ausbildung von „Nachfolgern für Zeitzeugenberichte über die Atombombenerfahrungen“, während die Stadt Nagasaki „Familien- und Austauschzeitzeugen“ ausbildet, die anstelle von Hibakusha Zeugnis ablegen sollen. Im Museum von Hiroshima habe ich tatsächlich einem ausgebildeten Redner zugehört, der kein Hibakusha war und einen solchen „Zeitzeugenbericht“ vortrug. Wie ich erwartet hatte, stand das Opfer im Mittelpunkt der Erzählung. An einer Stelle beschrieb der Redner jedoch eine Szene, in der ein junger Soldat, der selbst Opfer des Bombenangriffs war, Menschen dabei half, einen Fluss zu überqueren, während diese geduldig in einer Schlange warteten. „Da wurde mir bewusst, wie wunderbar die Japaner sind“, sagte er.
Vielleicht wiederholte er lediglich, was der ursprüngliche Hibakusha gesagt hatte, doch der Sprung zu der Aussage „Die Japaner sind wunderbar“ verblüffte mich. Bei dem betreffenden Soldaten hätte es sich um einen eingezogenen Koreaner oder Taiwanesen handeln können. Mir wurde klar, dass gerade in solchen Ausbrüchen von Nationalismus das zugrunde liegende Wesen des Hiroshima-Nagasaki-Narrativs innewohnt.
Gleichzeitig scheint es, während Japan sich so große Sorgen um die sinkende Zahl seiner eigenen „Menschen mit Kriegserfahrungen“ macht, dass öffentliche Mittel eingesetzt werden, um „Zeitzeugen“ nachzubilden und ihre Geschichten zu bewahren, kaum ein vergleichbares Gefühl der Dringlichkeit hinsichtlich der schwindenden Zahl der Überlebenden des Massakers von Nanjing oder der Opfer von Zwangsmobilisierung und sexueller Sklaverei durch das japanische Militär zu geben. In diesem Sinne weist dies in dieselbe Richtung wie politische Bewegungen, die „Japan First“ proklamieren.
Selbst im Ausland begegne ich Menschen, die offenbar ein Gefühl der Privilegiertheit hegen, das sich in Aussagen wie „Weil wir Japaner sind, sind wir in einzigartiger Weise in der Lage, über die Schrecken von Atomwaffen zu sprechen“ äußert. Diese Tendenz kann bei Menschen aus Hiroshima oder Nagasaki sogar noch stärker ausgeprägt sein. Ich habe immer wieder beobachtet, dass Menschen, die selbst keine Hibakusha sind, den Atombombenabwurf fast schon als Zeichen japanischer moralischer Autorität heranziehen, während sie gleichzeitig heftig gegen Bemühungen vorgehen, an die Opfer des Massakers von Nanjing oder der sexuellen Versklavung durch das japanische Militär zu erinnern.
Die „einzige Nation, die Opfer eines Atombombenangriffs wurde“, und die koreanischen Hibakusha
Auch in diesem Jahr sind in Japan wieder überall Formulierungen wie „die einzige Nation, die Opfer eines Atombombenangriffs wurde“ und „das einzige Land, das im Krieg einen Atombombenangriff erlitten hat“ zu hören. Ichiba Junko, die sich seit langem für koreanische Hibakusha einsetzt, schrieb in ihrem Buch „The People Who Brought Hiroshima Home“ (Gaifusha, 2000, S. 28), dass etwa jeder zehnte Hibakusha Koreaner war und dass diese Tatsache eine verborgene Seite der Behauptung Japans vor der Welt offenbart, es sei „die einzige Nation, die Opfer eines Atombombenangriffs wurde“. Dieser Satz ist Ausdruck des japanischen Atombomben-Nationalismus und der Ausgrenzung koreanischer Hibakusha. Auch hier weist diese Darstellung in dieselbe Richtung wie die fremdenfeindliche Politik der derzeitigen Regierung.
In „Pacifism without Peace“ (Hosei University Press, 2016), einem Buch, das sich mit den Widersprüchen innerhalb des japanischen Pazifismus auseinandersetzt, stellt Kwon Heok-tae fest, dass in den Medien und in Anti-Atomkraft-Bewegungen zunehmend von Japan als „der einzigen Nation, die Opfer eines Atombombenangriffs wurde“ die Rede ist, je sichtbarer die Existenz koreanischer Hibakusha wird und je stärker die nukleare Bedrohung durch die Demokratische Volksrepublik Korea betont wird.
Schätzungen zufolge waren in Hiroshima 50.000 Koreaner der Atombombe ausgesetzt, von denen 30.000 starben; in Nagasaki waren es 20.000, von denen 10.000 starben. Die Koreaner befanden sich aufgrund der Kolonialherrschaft in Japan, waren dann den Atombombenangriffen ausgesetzt und wurden nach den Angriffen bei der medizinischen Versorgung und den Hilfsmaßnahmen diskriminiert – eine dreifache Viktimisierung. Dies ist ein Grund dafür, dass ihre Sterblichkeitsrate höher war als die der japanischen Hibakusha. Die Vereinigten Staaten tragen die Verantwortung für den Abwurf der Atombomben, aber Japan trägt die Verantwortung dafür, dass Koreaner den Atombomben ausgesetzt waren, und für das, was ihnen danach widerfahren ist.
Japan spricht selten über koreanische Hibakusha und vermeidet es damit, sich seiner eigenen Verantwortung zu stellen. Auch der Film „Atomic Bomb Museum“ geht nicht auf sie ein. Unter den aufeinanderfolgenden Bürgermeistern von Hiroshima entschuldigte sich nur Takashi Hiraoka, der von 1991 bis 1999 im Amt war, in seiner Friedenserklärung für Japans Angriffskrieg und Kolonialherrschaft. Er vermied bewusst den Ausdruck „die einzige Nation, die Opfer eines Atombombenangriffs wurde“, doch sein Nachfolger, Bürgermeister Tadatoshi Akiba, führte diesen Ausdruck wieder ein.
Das Nationale Gedenkmuseum für Zwangsmobilisierung unter japanischer Besatzung in Busan ordnet die Erfahrungen der koreanischen Opfer der Atombombe in den größeren historischen Kontext der Zwangsmobilisierung ein. In seiner Ausstellung heißt es:
„Japan hat die Verwüstungen in Hiroshima und Nagasaki weitläufig bekannt gemacht und an die Welt appelliert, sich für Frieden und gegen Krieg einzusetzen. Frieden und Widerstand gegen Krieg sind universelle Werte, die für das gemeinsame Wohlergehen der Menschheit von entscheidender Bedeutung sind. Doch diese Worte können je nachdem, wer sie ausspricht, sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Bevor Japan zu Frieden und Widerstand gegen Krieg aufruft, muss es tiefe Reue für das Leid zeigen, das es durch den Krieg verursacht hat, und seine Bereitschaft unter Beweis stellen, dafür Verantwortung zu übernehmen.“
Es gibt wohl keine treffendere Kritik an Japan, das sich auf die universellen Ideale der Abschaffung von Atomwaffen und des Friedens beruht, während es die Frage nach seiner eigenen Kriegsverantwortung ausklammert.
Idealisierung von Hibakusha
Die Bewegung neigt zudem dazu, die Hibakusha unnötigerweise zu idealisieren. Hibakusha sind ganz normale Menschen. Sie werden wütend und sind eifersüchtig wie jeder andere auch. Manche sind rechtsgerichtet, und manche diskriminieren andere. Wenn ich das sage, werden manche Leute wütend und werfen mir vor, dass dies respektlos gegenüber den Hibakusha sei. Aber ist es nicht gerade eine Form der Diskriminierung, sich zu weigern, die Hibakusha als ganz normale Menschen zu behandeln?
Der ehemalige Bürgermeister von Hiroshima, Akiba Tadatoshi, betonte während seiner Amtszeit häufig das Konzept einer „Hibakusha-Philosophie“. Vereinfacht ausgedrückt meinte er damit eine universelle Ethik, die sich in dem Wunsch ausdrückt, dass niemand in künftigen Generationen das Leid erfahren möge, das man selbst erdulden musste: ein Hibakusha, der „Versöhnung statt Vergeltung“ wählt und sich für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzt.
Als Beispiel für jemanden, der diese „Hibakusha-Philosophie“ verkörperte, nannte Akiba Takahashi Akihiro, einen Hibakusha und ehemaligen Direktor des Hiroshima Peace Memorial Museum, der 2011 verstorben ist. Takahashi spielt auch im Film „Atomic Bomb Museum“ eine zentrale Rolle. Er war außerdem dafür bekannt, dass ihm bei dem Atombombenabwurf Glassplitter in die Fingerkuppen gedrungen waren, wodurch ein deformierter Fingernagel weiterwuchs; dieser Fingernagel wurde schließlich im Friedensmuseum von Hiroshima ausgestellt. Zu Lebzeiten habe ich für ihn gedolmetscht.
Nachdem Takahashi von seinem Treffen mit Paul Tibbets, dem Kapitän der B-29 „Enola Gay“, die die Atombombe abgeworfen hatte, berichtet hatte, fragte ihn ein amerikanischer Student: „Was hätten Sie getan, wenn Sie an der Stelle von Kapitän Tibbets gewesen wären?“ Ohne sichtbares Zögern antwortete Takahashi, er hätte seine Pflicht als Soldat erfüllt. Er wurde 1931 geboren und gehörte einer Generation an, die als Jungen einer gründlichen militaristischen Erziehung unterzogen worden war. In diesem Moment schien sein Gesichtsausdruck fast die Rolle eines Soldaten anzunehmen.
Was ich mit diesem Beispiel zeigen möchte, ist, dass selbst ein hoch angesehener Hibakusha ein Produkt der militaristischen Ära sein konnte. Hibakusha waren keine Heiligen. In Nagasaki wurde Dr. Takashi Nagai, ein katholischer Arzt und Schriftsteller, fast schon in den Rang eines Heiligen erhoben. Tomoe Otsuki, eine Wissenschaftlerin in Kanada, die sich mit der Erinnerung an die Atombombe in Nagasaki beschäftigt, weist darauf hin, dass Nagai in Nanjing als Arzt in der kaiserlichen japanischen Armee diente, jedoch nie über das Massaker von Nanjing oder andere Gräueltaten sprach, die das japanische Militär in China begangen hatte.
Keine Rechenschaft einfordern, keine Rechenschaft übernehmen
Die Idealisierung der Hibakusha führt zu einem weiteren Problem in der Hiroshima-Erzählung. Der vorbildliche Hibakusha, der das praktiziert, was Akiba als „Hibakusha-Philosophie“ bezeichnet, spricht nicht von Vergeltung, fordert nicht, dass die Vereinigten Staaten die Verantwortung für den Atombombenabwurf übernehmen, und bringt auch keine Wut gegenüber den USA zum Ausdruck. Während meiner langjährigen Tätigkeit als Dolmetscherin für Hibakusha hörte ich immer wieder Aussagen, dass sie nichts gegen Amerikaner hätten und dass der Krieg selbst die Schuld trage.
Ich habe mich einmal mit einem Filmemacher unterhalten, der einen Dokumentarfilm über Hiroshima und Nagasaki drehte. Er sagte: „Die Hibakusha streben nach Frieden, ohne Groll zu hegen, aber schau dir doch mal diese Chinesen und Koreaner an! Die hegen einfach ewig Groll gegen Japan!“, und legte damit offen diskriminierende Einstellungen an den Tag. Damals war ich schockiert. Nach zwanzig Jahren Engagement als Aktivist wurde mir jedoch klar, dass solche Einstellungen unter Japanern keine Seltenheit sind.
Der Historiker Toshiyuki Tanaka argumentiert in seinem Werk „Examining ‚Postwar Democracy‘“ (San-ichi Shobo, 2019, S. 31–33), dass eine „Absprache“ zwischen Japan und den USA hinsichtlich der Rechtfertigung der Atombombenabwürfe zu einer der Grundlagen des japanisch-amerikanischen Militärbündnisses wurde. Die Vereinigten Staaten etablierten den „Atombomben-Mythos“, wonach die Bomben notwendig gewesen seien, um den Krieg zu beenden, während Japans unzählige Kriegsverbrechen im asiatisch-pazifischen Raum und die Verantwortung von Kaiser Hirohito ungeklärt blieben. Dieser Darstellung zufolge pflegten beide Seiten eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung.
Ich glaube, dass die „Friedenserzählung“ von Hiroshima und Nagasaki diese „Komplizenschaft“ noch verstärkt. Abgesehen davon, dass „vorbildliche“ Hibakusha bevorzugt werden, die keine Wut gegenüber den Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringen, haben die von den aufeinanderfolgenden Bürgermeistern von Hiroshima und Nagasaki abgegebenen Friedenserklärungen die Vereinigten Staaten nicht für die Atombombenabwürfe zur Verantwortung gezogen. Die diesjährigen Gedenkfeiern bildeten da keine Ausnahme. In seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises 2024 erwähnte Nihon Hidankyo nicht, wer die Atombomben abgeworfen hatte.
Als Präsident Obama 2016 Hiroshima besuchte, sagte er, dass „der Tod vom Himmel fiel“ (Original: “Death fell from the sky.”). Die Hibakusha, denen es gestattet war, mit Obama zu sprechen oder ihn zu umarmen, gehörten dieser versöhnungsorientierten Gruppe an. Hibakusha, die eine kritische Haltung gegenüber der US-Atompolitik eingenommen hatten, erhielten keinen solchen Zugang. Die Kandidaten waren im Vorfeld ausgewählt worden, nachdem das Außenministerium sie gefragt hatte, was sie sagen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten, mit Präsident Obama zu sprechen.
Hibakusha, die sich der Rechenschaftspflicht stellten
Es gab auch Hibakusha, deren Berichte über reine Opfergeschichten hinausgingen. Keiji Nakazawa, der Schöpfer von Manga „Barefoot Gen“(Original: Hadashi no Gen), sticht dabei besonders hervor. Sein Werk weigert sich nicht nur, Hibakusha zu idealisieren, und schildert die Komplexität ihrer Menschlichkeit, sondern kritisiert auch scharf die Verantwortung von Präsident Truman für den Atombombenabwurf, die Verantwortung von Hirohito für den Krieg, japanische Gräueltaten in China sowie die Diskriminierung von Koreanern. Aus diesem Grund wurde das Werk zur Zielscheibe der Rechten, was unter anderem zu Kampagnen führte, den Zugang dazu in Bibliotheken einzuschränken. Im Jahr 2011, ein Jahr vor Nakazawas Tod, hatte ich die Gelegenheit, für ihn zu dolmetschen. Er erinnerte sich daran, wie er in der Schule ein Lied gelernt hatte, das den General der kaiserlichen japanischen Armee, Tojo Hideki, pries, und wie er es zu Hause sang, nur um daraufhin von seinem Vater scharf zurechtgewiesen zu werden. Wie in „Barefoot Gen“ dargestellt, wurde sein Vater wegen seiner antimilitaristischen Überzeugungen verhaftet und anderthalb Jahre lang inhaftiert, wo er Folter ausgesetzt war.
Eine weitere war Suzuko Numata, die 2011 verstarb. Leider hatte ich nie die Gelegenheit, sie persönlich kennenzulernen, aber ich sah sie einmal, wie sie neben dem „von der Atombombe getroffenen Aogiri-Baum“ im Friedensgedenkpark Zeugnis ablegte. Im Jahr 1988 hörte Numata sich Berichte von Überlebenden der Massaker an ethnischen Chinesen in Malaya an. Als sie erfuhr, dass die Täter dem 11. Infanterieregiment der in Hiroshima stationierten 5. Division angehörten, verspürte sie ein Gefühl der Verantwortung und nahm an einer Reise nach Malaysia teil, um mehr über die Geschichte der japanischen Aggression dort zu erfahren.
In Ilonglong, in der Nähe der Stadt Titi im Bundesstaat Negeri Sembilan, töteten japanische Truppen am 18. März 1942 1.474 Dorfbewohner, zerstörten ihre Häuser und löschten das Dorf von der Landkarte. Bei einem Besuch vor Ort entschuldigte sich Numata vor mehr als hundert Anwohnern. Im Folgenden wird der Inhalt ihrer Rede wiedergegeben, wie ihn sich Takashima Nobuyoshi, ein damaliger Gymnasiallehrer, der die Gruppe leitete, in Erinnerung hat.
„Liebe Anwesende, ich komme aus Hiroshima, dem Stützpunkt des japanischen Militärs, das Ihre unschuldigen Familienangehörigen einen nach dem anderen getötet hat, als wären sie Insekten. Ich wusste nicht, dass Truppen aus Hiroshima in Malaysia Gräueltaten begangen hatten. Ich habe erst letztes Jahr davon erfahren, und von diesem Moment an hatte ich das Gefühl, dass ich unbedingt nach Malaysia kommen musste. Ich wollte kommen, weil ich mich persönlich bei Ihnen entschuldigen wollte. Es tut mir aufrichtig und zutiefst leid. Bitte vergeben Sie uns.“
Nachdem Numata gesprochen hatte, eilten die Anwohner auf sie zu. Laut Takashima riefen sie ihr zu: „Sie sind den ganzen Weg hierhergekommen, obwohl Sie bei dem Atombombenabwurf ein Bein verloren haben.“ „Ich bin so froh, endlich die Worte zu hören, die ich schon immer von einem Japaner hören wollte.“ „Sie sind selbst ein Opfer, und dennoch sind Sie hierhergekommen und haben das zu uns gesagt. Ich bin zutiefst bewegt.“
Numata reiste auch nach Chongqing in China, wo sie sich für die Bombardierung der Stadt durch das japanische Militär entschuldigte. In den Ländern, die unter Japan gelitten haben, ist die historische Sichtweise, dass „die Atombombe eine Form göttlicher Erlösung war“, nach wie vor tief verwurzelt. Dieses Gefühl ist zwar verständlich, für Hibakusha jedoch schwer zu akzeptieren. Takashima vermutete, dass hinter Numatas Besuchen in den von Japan geschädigten Ländern genau der Wunsch stand, mit Gesellschaften in Dialog zu treten, in denen solche Gefühle herrschten.
Probleme mit den Museen von Hiroshima und Nagasaki
Ich habe bereits die in Hiroshima stationierte 5. Division erwähnt. Die Division war wiederholt an den großen Angriffskriegen, der Kolonialherrschaft und der Niederschlagung von Volksaufständen des japanischen Kaiserreichs beteiligt, darunter am Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg, an der Niederschlagung des Boxeraufstands, am Russisch-Japanischen Krieg, an der Niederschlagung der Unabhängigkeitsbewegung vom 1. März in Korea, am Militäreinsatz in Qingdao, die Sibirien-Intervention, den Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg sowie die Massaker an ethnischen Chinesen in Malaya und Singapur. Während des Ersten Chinesisch-Japanischen Krieges befand sich das kaiserliche Hauptquartier selbst in Hiroshima, und Kaiser Meiji befehligte von dort aus direkt die Armee und die Marine.
Vermittelt das Friedensmuseum von Hiroshima diese Geschichte? Es wird zwar darauf hingewiesen, dass Hiroshima eine „militärische Hauptstadt“ war, doch die Beschreibung ist sachlich gehalten und vermittelt nicht den Eindruck, dass die Stadt in Verfehlungen verwickelt war. Dies steht in scharfem Kontrast zu der emotional eindringlichen Darstellung des Leids der Opfer der Atombombe. Das Massaker von Nanjing taucht lediglich in einem Bereich mit Medientafeln auf, wo Besucher mehrere Schritte auf Touchscreens durchlaufen müssen, bevor sie dorthin gelangen. Selbst dort wird es im japanischen Text als „Zwischenfall von Nanjing“ bezeichnet, während im englischen Text von „Massaker von Nanjing“ die Rede ist, wodurch japanisch- und englischsprachigen Besuchern unterschiedliche Formulierungen präsentiert werden. Die historische Tatsache, dass Japan einen Angriffskrieg geführt hat, fehlt im gesamten umfangreichen Ausstellungsraum des Museums.
Das Atombombenmuseum in Nagasaki verfügt derzeit über einen Bereich, der die allgemeine Geschichte des Pazifikkriegs beleuchtet. Als es 1995 renoviert wurde, wurde ein Bereich eingerichtet, der eine allgemeine Chronologie und visuelle Darstellung des Pazifikkriegs bot, was so heftige Reaktionen hervorrief, dass rechtsgerichtete Lautsprecherwagen das Museum umzingelten. In den letzten Jahren hat die Rechte jedoch insbesondere Einwände gegen den Verweis auf das Massaker von Nanjing in der Chronologie erhoben, und die Stadt Nagasaki plant nun, diesen Bereich im Rahmen einer umfassenden Renovierung des Museums komplett umzugestalten.
Die Angelegenheit hat bereits Kritik seitens Chinas und der DVRK hervorgerufen und entwickelt sich zu einer internationalen Kontroverse. In Nagasaki gibt es zudem das privat geführte „Nagasaki Museum für Menschenrechte und Frieden“, das sich auf die von Japan begangenen Gräueltaten spezialisiert hat, darunter koreanische Hibakusha und Zwangsmobilisierung. Dennoch ist das Museum nicht auf dem Touristenplan der Stadt Nagasaki verzeichnet, und es ist ihm nicht gestattet, seine Broschüren im Atombombenmuseum auszulegen.
Sowohl Hiroshima als auch Nagasaki waren einst Zentren der Militärmacht und der Kriegsindustrie, die Japans Angriffskriege unterstützten. Nach der Niederlage Japans rückten US-Streitkräfte ein. Verlässt man die „heiligen Stätten der Atombombenopfer“, ist die umliegende Region voller japanischer und US-amerikanischer Militäreinrichtungen. Damals wie heute wurden Hiroshima und Nagasaki zu Stützpunkten umfunktioniert, die mit Angriffskriegen in Verbindung stehen. In Nagasaki erzählte mir jemand mit Insiderwissen über das Museum, dass es aufgrund des Einflusses von Mitsubishi Heavy Industries für das Atombombenmuseum praktisch unmöglich ist, sich mit der heutigen Militarisierung auseinanderzusetzen.
Schlusswort
Ich habe versucht zu ergründen, warum die japanische Darstellung von Hiroshima und Nagasaki widerspruchsfrei mit der Remilitarisierung Japans koexistieren kann und warum sie es nicht geschafft hat, zu einer Kraft zu werden, die diese verhindern könnte. Dabei greifen mehrere Faktoren ineinander: die Loslösung der Atombombenabwürfe vom größeren historischen Kontext des japanischen Kaiserreichs; das Versäumnis, Rechenschaft sowohl für Japans Kriegsverantwortung als auch für die US-amerikanischen Atombombenabwürfe einzufordern; der durch den Ausdruck „die einzige Nation, die mit Atombomben beworfen wurde“ symbolisierte Atombomben-Nationalismus; sowie die damit einhergehende Ausblendung der koreanischen Hibakusha.
Hiroshima und Nagasaki neu zu erzählen bedeutet meiner Meinung nach, die gesamte Geschichte zu schildern: nicht nur eine „Realität der Atombombenabwürfe“, die plötzlich im August 1945 beginnt, sondern eine Geschichte, in der die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki in der Endphase der Kolonialherrschaft und der Angriffskriege des japanischen Kaiserreichs stattfanden. Nur wenn wir Verantwortung für diese Geschichte übernehmen, gleichzeitig die USA für die Atombombenabwürfe zur Rechenschaft ziehen und uns für Antikriegs- und Anti-Atomkraft-Prinzipien einsetzen, kann sich ein Weg zur Zusammenarbeit mit Japans asiatischen Nachbarn und zum Frieden in Ostasien eröffnen.
https://peacephilosophy.blogspot.com
Satoko Oka Norimatsu ist eine Autorin, die in Vancouver (Kanada) und Tokio (Japan) lebt. Ihre Hauptinteressengebiete sind Kriegserinnerung, Kriegsverantwortung und Entkolonialisierung, wobei ihr Schwerpunkt auf Ostasien und dem asiatisch-pazifischen Raum liegt.
Biographie und Veröffentlichungen von Satoko Oka Norimatsu

Satoko OKA NORIMATSU, gebürtige Tokioterin, die seit drei Jahrzehnten an der Westküste Kanadas lebt, schreibt, forscht, hält Vorträge und unterrichtet zu Themen wie Frieden, historisches Gedächtnis, Kriegsverantwortung, Menschenrechte, Militärstützpunkte und Nuklearfragen, vor allem im asiatisch-pazifischen Raum. Von 1982 bis 1984 besuchte sie das Lester B. Pearson College in Victoria, British Columbia, Kanada, mit einem Vollstipendium von IBM Canada. Nach ihrem Abschluss an der Keio-Universität (B.A. an der Fakultät für Geisteswissenschaften, 1990) leitete sie internationale Bildungsprogramme sowohl bei staatlichen als auch bei privaten Organisationen und erwarb anschließend einen Master of Business Administration an der University of British Columbia (2001), die heute als Sauder School of Business bekannt ist. Von 2003 bis 2008 lehrte sie am UBC Centre for Intercultural Communication und leitete dort Programme. Zertifikat für interkulturelle Kommunikation (2005). Ende 2006 gründete sie das „Peace Philosophy Centre“, eine Organisation für Friedenserziehung. Außerdem ist sie Redakteurin des „Asia-Pacific Journal: Japan Focus“ und Co-Vorsitzende von „Article 9 Canada/Vancouver Save Article 9“. Seit 2006 ist sie als Übersetzerin, Dozentin und Koordinatorin für die Hiroshima/Nagasaki-Studienreise der American University und der Ritsumeikan-Universität tätig (seit 2018 ist die Meiji-Gakuin-Universität der japanische Partner). Die „Internationale Okinawa-Erklärung“ gegen den Bau einer neuen US-Militärbasis in Okinawa, die von 103 Wissenschaftlern, Aktivisten und Künstlern aus aller Welt – darunter Noam Chomsky und John Dower – unterzeichnet wurde und an deren Organisation Satoko mitwirkte, wurde 2018 mit dem 2. Ikemiyagushiku-Shui-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des „International Network of Museums for Peace“.
Ihre jüngste Veröffentlichung in englischer Sprache ist Kapitel 8: „Japanese War Memory: Ongoing Challenges of Remembering and Forgetting“ in „Museums for Peace: In Search of History, Memory, and Change“, herausgegeben von Aspel, Barret und Tamashiro, Routledge 2023.
Ihre weiteren Artikel auf Englisch finden Sie unter: https://apjjf.org/Norimatsu-Satoko
(Übersetzung aus dem Japanischen/Englischen: Yu Kajikawa)